Podiumsdiskussion der SPD
„Wie sieht die Schule der Zukunft aus?“ Mit diesem Thema beschäftigte sich die Podiumsdiskussion, zu der die SPD-Ortsvereine des oberen Edertals nach Battenberg ins Hotel Rohde eingeladen hatten und zu der der 1. Stadtrat Georg Röse die Zuhörer und die Podiumsteilnehmer begrüßte. Diskutiert wurde über längeres gemeinsames Lernen, frühkindliche Bildung, Verkürzung der Schulzeit (G8), Chancengleichheit, Klassengrößen und Schulsozialarbeit.
„Längeres gemeinsames Lernen ist gefragt“, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, Günter Schmitt, der die Diskussionsleitung übernommen hatte. Das dreigliedrige Schulsystem habe abgewirtschaftet. Wichtig sei auch, dass die Schulstandorte in der jetzigen Form, nämlich möglichst wohnortnah, erhalten blieben. Man wolle nicht „schon die Kleinen irgendwohin karren“.
Für Viola Berthold, die als Vorsitzende des Elternbeirates der Gesamtschule Battenberg die Elternschaft vertrat, war besonders die Verkürzung der Gymnasialzeit in der Mittelstufe (G8) sehr belastend, für Hobbys und Freizeit sei für die Schüler kaum Zeit geblieben. Kinder seien keine Versuchskaninchen. „Nachdem uns das Kultusministerium die Möglichkeit eingeräumt hat, haben wir in der Schulkonferenz die Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit beschlossen.“
Arno Reitz, Rektor des Realschulzweiges der Gesamtschule Battenberg, unterstützte Viola Berthold: 36 Wochenstunden in einer Klasse 6 seien einfach zuviel, das hieße für die Schüler an drei festen Nachmittagen in der Woche Unterricht.
„G8 wurde von der SPD, den Grünen und den Linken entschärft. Das hat nicht die Kultusbehörde gemacht“, stellte der Landtagsabgeordnete der SPD Reinhard Kahl fest. Verkürzen könne man die Gymnasialzeit in der Oberstufe. Besonders wichtig für ihn sei längeres gemeinsames Lernen in der Mittelstufe: „Die PISA-Studie hat gezeigt: Erfolg stellt sich dort ein, wo Kinder möglichst lange zusammen lernen“. Alle Kinder sollten gleiche Chancen haben, und jedes Kind habe einen Anspruch auf bestmögliche Bildung, so Reinhard Kahl.
Erhard Wagner, Schulleiter der Ortenbergschule in Frankenberg, sprach das Thema Ganztagsschulen an. Ganztagsschulen sollten verpflichtend eingeführt werden. Aber man brauche dafür auch die entsprechende Ausstattung und vor allem genügend Personal. Zurzeit könnten an seiner Schule nicht alle das Ganztagsangebot nutzen – aus Mangel an Plätzen. 500 der 700 Ortenbergschüler hätten grundsätzlich Interesse.
Sowohl Reitz als auch Wagner übten Kritik an den derzeitigen Klassengrößen. Für Wagner wäre es sinnvoll, wenn Schulen selbst entscheiden könnten: „Die Regelung 30 Kinder plus 10% ist Quatsch. Vielleicht kann man sogar in einer fünften Klasse fünfzig Kinder unterrichten, während bereits mehr als 15 Schüler in der problematischen Stufe 8 nicht mehr sinnvoll sind:“
Alle Teilnehmer der Diskussionsrunde begrüßten den Einstieg in die Schulsozialarbeit. Zwölf von 23 Schulen des Landkreises, die einen Antrag gestellt hatten, erhielten eine Zusage. Insgesamt eine Stelle wurde bewilligt für Battenberg (Verhältnis 0,8) und Allendorf (0,2). Bürgermeister Uwe Ermisch kritisierte, dass die Kreiskoalition mehrfach die Initiative der SPD zur Einrichtung von Schulsozialarbeit abgelehnt hatte. Bei den letzten Haushaltsberatungen wurde der SPD-Antrag auf zusätzliche Mittel für Schulsozialarbeit wieder abgeblockt.
Man müsse nicht bei jedem Regierungswechsel die Welt neu erfinden, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl abschließend. Aber grundsätzlich müsse gelten: „Kein Kind wird zurückgelassen. Bessere und gerechtere Bildung ist die zentrale Aufgabe der Landespolitik. Schulerfolg der Kinder dürfe nicht von der sozialen Herkunft abhängig sein.“.