Kahl und Eckhardt für eine ökologisch verantwortungsvolle Forstwirtschaft und gegen den maschinengerechten Wald
Für eine Kehrtwende in der hessischen Forstpolitik im Sinne einer ökologisch verantwortbare Waldnutzung setzen sich die beiden sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Reinhard Kahl und Hannelore Eckhardt ein. Dabei kritisieren sie nachdrücklich die rein ökonomisch begründeten Weichenstellungen der CDU-Landesregierung.
Der Landesbetrieb Hessen-Forst habe in den letzten drei Jahren mit 600 Stellen fast die Hälfte aller hessischen Arbeitsplätze für Waldarbeiter gestrichen Damit tragen die Schwächsten die Hauptlast der Strukturreform im Forstwesen: 2 Drittel aller Stellen, die im Forstsektor abgebaut wurden, sind Waldarbeiterstellend. Eckhardt: „Im waldreichen Landkreis Waldeck-Frankenberg war der Berufsstand des Waldarbeiters fester Bestandteil der Dorfkultur, nicht zuletzt auch wegen der guten Vereinbarkeit mit der Landwirtschaft, die viele bis in unsere Zeit noch im Nebenerwerb betreiben“.
Heute gibt es viele Dörfer an Eder, Nuhne, Orke und Itter, in denen kein aktiver Waldarbeiter mehr wohnt, ergänzte Kahl und betonte: „Durch die Politik der Landesregierung steht der Berufsstand Waldarbeiter vor dem Aus.“
Wenn das so weiter gehen würde, müssten die Menschen in das Rhodener Waldmuseum gehen, wenn sie etwas über Waldarbeit erfahren wollen In diesem Zusammenhang kritisierte Eckhardt erneut die Schließung der Waldarbeiterschule in Diemelstadt.
In der Praxis von Hessen-Forst stehen nach den Worten von Kahl die Zeichen weiter auf Personalabbau, denn von den über 1 Mio. Festmeter, die der Orkan Kyrill im Januar zu Boden gebracht hat, wurden bisher mehr als zwei Drittel von Fremdfirmen aufgearbeitet. Das entspricht einem entgangenen Auftragsvolumen für die heimischen Forstunternehmer und die Region von über 10 Mio. Euro. Auffällig viele Firmen kamen dabei aus Osteuropa.
Diese falsche Weichenstellungen werden leider fortgesetzt. Die Wälder sollen nach den Vorstellungen der Leitung von Hessen-Forst immer maschinengerechter werden, um Handarbeit möglichst weiter zu reduzieren. Waren Vollerntemaschinen bislang überwiegend im Nadelwald im Einsatz, so sollen jetzt nach den Planungen von Hessen-Forst (Waldbaurichtlinien) auch in den Eichen- und Buchenwäldern alle 20 Meter Fahrlinien von mindestens 4 Metern Breite angelegt werden. Damit hätten Großmaschinen uneingeschränkt Zugang zum Wald: Kahl: Der Weg zum maschinengerechten Wald in Hessen ist ein Irrweg. Damit ist die Landschaftsqualität in Gefahr. Dies muss verhindert werden.“
Die Waldökologie gerät immer mehr ins Hintertreffen. Eichenwälder sollen nach den Planungen von Hessen-Forst nur noch maximal 160 bis 200 Jahre alt werden, während sie bislang bis zu 260 Jahre stehen bleiben durften. Bei Buchen soll das Lebensalter auf 90 bis 120 Jahre beschränkt werden (bisher 140 – 160). Eckhardt: „Jedermann weiß, wie wichtig gerade alte Baumbestände für den Naturschutz sind. Hier finden sich Baumhöhlen, in denen Vögel oder Fledermäuse sind oder Großvögel, die ihre Nester bauen. Leider gibt es in Hessen kein Konzept wie ein Artenschwund verhindert werden kann.“ und Kahl ergänzte: Der Nationalpark darf nicht dazu führen, dass Umweltstandards in der Region aufgegeben werden. Auch der Fremdenverkehr lebt von der Vielfalt und Schönheit der Wälder in der gesamten Region.“
Darüber hinaus weisen die beiden heimischen Abgeordneten darauf hin, dass Holz mittlerweile ein knappes Gut ist. Die Preise steigen weltweit und dies bewegt die Holzindustrie oder Investoren dazu, sich zur Sicherung ihrer Versorgung gleich ganze Wälder zu kaufen, wie z. B. in Niedersachen. Auch Minister Dietzel war bereit 300 ha Staatswald südlich Flechtdorfs an einen Privatmann zu verkaufen. Durch die Sturmschäden hat sich der Verkauf zerschlagen. „Dieses Beispiel zeigt, dass die CDU-Landesregierung vor Waldverkäufen in großem Stil nicht zurückschreckt. Der Wald, der den hessischen Bürgern gehört, würde dann wie andere Landesimmobilien schlicht verscherbelt. Staatswaldverkauf ist quasi eine Enteignung der Bürger und widerspricht auch dem geltenden Forstgesetz,“ betonte Kahl.
Nach Auffassung von Eckhardt und Kahl geht die konservative Forstpolitik voll in die falsche Richtung. „Wir brauchen keinen maschinengerechten Wald, sondern eine echte nachhaltige Forstpolitik mit einem Wald, der neben seiner Funktion als Rohstofflieferant auch seine ökologische Bedeutung hat. Dazu gehören auch Förster und Waldarbeiter, die sich mit ihrem Wald identifizieren und nicht durch immer größere Reviere und den Abbau von Waldarbeiterstellen ihre Aufgabe nur schwer erfüllen können. Ökologisch wertvolle Mischwälder sind für unsere Kulturlandschaft, für die Erholungsfunktion, den Klimaschutz und für den Tourismus in Waldeck-Frankenberg von unschätzbarem Wert. Hier hat die Landespolitik eine wichtige Zukunftsaufgabe.“