Zweite Station der Reinhard-Kahl-Sommertour
Vöhl-Niederorke: Kleiner Ort an einem historisch wichtigen Platz
Die zweite Station der diesjährigen Sommertour des Landtagsabgeordneten Reinhard Kahl führte nach Niederorke. Kahl konnte neben 50 weiteren Besuchern auch den Gudensberger Bürgermeister und Kandidaten für den Bundestagswahlkreis Frankenberg/Schwalm-Eder, Dr. Edgar Franke und den Ortsvereinsvorsitzenden Dr. Sven Bökenschmidt beim Rundgang im Vöhler Ortsteil begrüßen. Die Führung übernahmen Ortsvorsteher Fritz Groß und der hervorragende Kenner der Regionalgeschichte, Walter Zarges aus Schmittlotheim.

Niederorke wurde zwar erst 1585 erstmalig urkundlich erwähnt. Da jedoch Oberorke bereits in einer Urkunde von 1016 genannt wurde, geht Zarges davon aus, dass auch Niederorke bereits in dieser Zeit als Siedlung bestand.
Bedeutung erlangte der Ort, weil er zum einen an einer Handelsstraße von Frankfurt nach Norddeutschland lag, die hier eine Furt der Orke nutzte, anderseits an der alten Landesgrenze zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. So kam Niederorke auch zu einer Zollstation, an der die Händler „zur Kasse gebeten“ wurden.
Für die Fußgänger existierte in der Sommerzeit ein Steg über den Fluss, während Fahrzeuge und Vieh die Furt nutzen mussten. Selbst Gäste aus der damaligen Landeshauptstadt Darmstadt mussten die Orke so durchqueren, wenn sie von den Bediensteten der Herrschaft Itter in der nordhessischen Enklave in Empfang genommen wurden. Eine feste Brücke über den Fluss wurde erst im Jahr 1847 errichtet. Die erste Mühle an der Orke wurde in einer Hainaer Urkunde im Jahr 1383 erwähnt. Sie hatte in späterer Zeit als „Bannmühle“ ein Monopol für das Mahlen des Getreides aus der Gegend und wurde auch als Schlagmühle sowie 1900 zusätzlich als Sägemühle genutzt.
Ein weiteres wichtiges Bauwerk in Niederorke war eine Färberei, die bis 1949 betrieben wurde. Sie hatte ebenfalls Bedeutung für das gesamte Umland. Das größte landwirtschaftliche Anwesen war der Niederorker Hof, der im Jahr 1701 von adligen Vorbesitzern (Familie Dersch) in bäuerliche Hände gelangte. Weil Niederorke sich in einem Dreiländereck, nämlich Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt und Waldeck befand, bekam die Gemeinde Anfang des 19. Jahrhunderts das Recht zum Abhalten von Vieh- und Krammärkten, was den Niederorkern einen gewissen Wohlstand brachte. Dies kam jedoch ab 1880 zum Erliegen, nachdem bessere Verkehrsverbindungen entlang der Eder, die auch heute noch ihre Bedeutung haben, entstanden.
Zum Abschluss des Rundgangs am Dorfgemeinschaftshaus bedankte sich der Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl für die sachkundige und lehrreiche Führung durch Herrn Zarges und wünschte ihm weiterhin viel Erfolg bei seinen Recherchen zur Regionalgeschichte. „Niederorke ist ein interessanten Ort mit einem intakten Dorfkern und einer ereignisreichen Geschichte, die sich noch in bestehenden historischen Gebäuden widerspiegelt“, so der Abgeordnete am Ende des Rundganges. Die nächste Station der Reinhard-Kahl-Sommertour 2009 ist am 30 Juli im Dorfkern von Bottendorf.